Immobilie oder ETF

Immobilie oder ETF: Was bringt mehr bei gleichem Einsatz?

Immobilie oder ETF bei gleichem GeldeinsatzRechenbeispiel Offenbach über 15 Jahre: Eingesetzt werden insgesamt rund 41.400 € eigenes Geld. Die finanzierte Wohnung ergibt nach Verkauf und Steuern rund 90.400 €, ein ETF mit demselben Geld rund 84.400 €. Ergebnis unter offen genannten Annahmen, keine Prognose.GLEICHER GELDEINSATZVermögen nach 15 JahrenRechenbeispiel Offenbach · Annahmen offen im Text41.400 €Eigenes GeldEK + Zuzahlungen90.400 €Wohnungnach Verkauf, Steuern84.400 €ETFnach Verkauf, Steuern
Hebel, Steuern, Kosten Fünf Städte in Rhein-Main Stand 14. Oktober 2026

Wohnung kaufen oder lieber einen ETF-Sparplan? Pauschale Antworten helfen nicht, denn Hebel, Steuern, Kosten und Haltedauer verschieben das Ergebnis stark. Dieser Ratgeber vergleicht beide Wege mit exakt demselben Geldeinsatz: eine finanzierte Beispielwohnung in Offenbach gegen einen weltweiten Aktien-ETF, mit allen Annahmen offen, Szenarien und den Rechenbeispielen für Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Offenbach.

  • Stand: 14. Oktober 2026
  • Lesezeit: ca. 18 Minuten
  • 17 Quellen
Inhalt (12 Abschnitte)
  1. 1.Die kurze Antwort: Es kommt auf den Einkaufspreis an
  2. 2.So funktioniert der faire Vergleich: gleicher Geldeinsatz
  3. 3.Rechenbeispiel: Wohnung in Offenbach gegen ETF
  4. 4.Steuern: AfA, Spekulationsfrist und Abgeltungsteuer
  5. 5.Wann die Wohnung vorne liegt und wann der ETF
  6. 6.Was den Vergleich kippt
  7. 7.Rhein-Main: Was die Stadt-Rechenbeispiele zeigen
  8. 8.Hebel, Liquidität, Aufwand und Streuung
  9. 9.Beides kombinieren: Reserve im ETF, Rendite mit der Wohnung
  10. 10.So entscheiden Sie zwischen Wohnung und ETF
  11. 11.Häufige Fragen
  12. 12.Quellen und Vertiefung

Die kurze Antwort: Es kommt auf den Einkaufspreis an

„Immobilie oder ETF?“ wird oft wie eine Glaubensfrage diskutiert. Rechnerisch ist sie das nicht. Ein Aktien-ETF bringt eine Marktrendite ohne Kredit, mit geringen Kosten und täglich verfügbarem Geld. Eine vermietete Wohnung bringt eine niedrigere Mietrendite, wird aber überwiegend mit dem Geld der Bank gekauft. Steigt ihr Wert, wirkt der Anstieg auf das ganze Objekt, nicht nur auf das Eigenkapital. Dazu kommen steuerliche Eigenheiten, die beim ETF fehlen.

Unser Rechenbeispiel zeigt beides: Die Beispielwohnung in Offenbach-Lauterborn liegt nach 15 Jahren rund 6.000 Euro vor dem ETF. Mit den Durchschnittspreisen der Gutachterausschüsse gerechnet, liegt in allen fünf Städten dagegen der ETF vorn, solange die Wohnung nur um 1,5 % pro Jahr an Wert gewinnt. Wer eine Wohnung als Kapitalanlage kauft, muss also besser einkaufen als der Durchschnitt – oder auf mehr Wertsteigerung setzen, als wir annehmen.

eigenes Geld in beiden Varianten
41.400 €
38.515 € Start plus 2.898 € Zuzahlungen
Wohnung nach 15 Jahren
90.400 €
nach Verkaufskosten, Restschuld und Steuern
ETF nach 15 Jahren
84.400 €
nach Kosten und Abgeltungsteuer
Gleichstand bei Wertentwicklung
1,2 %
pro Jahr; darunter liegt der ETF vorn

So funktioniert der faire Vergleich: gleicher Geldeinsatz

Viele Vergleiche stellen die Mietrendite einer Wohnung der Rendite eines Aktienindex gegenüber. Das ist schief, denn bei der Wohnung arbeitet ein Kredit mit, beim ETF nicht. Andere Vergleiche lassen Kaufnebenkosten, Instandhaltung oder Steuern weg. Wir rechnen deshalb mit einem einfachen Prinzip: Beide Anleger setzen exakt dasselbe eigene Geld ein, zur selben Zeit.

Der Wohnungsanleger bringt 38.515 Euro Eigenkapital auf – 20 % des Kaufpreises plus alle Kaufnebenkosten. Der ETF-Anleger legt denselben Betrag am ersten Tag in einen weltweiten Aktien-ETF. Muss der Wohnungsanleger nach Steuern Geld zuschießen, zahlt der ETF-Anleger den gleichen Betrag in seinen Sparplan. Erwirtschaftet die Wohnung später einen Überschuss, legt der Wohnungsanleger ihn ebenfalls im ETF an. Am Ende werden beide Vermögen so bewertet, als würde verkauft: Wohnung nach Verkaufskosten, Restschuld und gegebenenfalls Steuer, ETF nach Abgeltungsteuer.

Jahr 1 rechnen wir genau so wie auf der Seite des Beispielobjekts und auf unseren Stadtseiten, mit derselben Steuerberechnung für einen Single mit 3.000 Euro netto. Wie wir Preise, Mieten und Kosten herleiten, beschreibt die Methodik.

Alle Annahmen des Rechenbeispiels
BausteinAnnahmeHerleitung
Wohnung2 Zimmer, 58 m², Baujahr 1968, Kaufpreis 122.000 €, Kaltmiete 575 € im Monatfiktives Beispielobjekt Offenbach-Lauterborn, Miete innerhalb des Mietspiegels
Kaufnebenkosten11,6 % = 14.115 €6 % Grunderwerbsteuer Hessen, 2 % Notar und Grundbuch, 3,57 % Makler
Laufende Kosten1.452 € im Jahr nicht umlagefähig, 2 % Mietausfall, beides +2 % pro JahrHausgeld-Anteil für Verwaltung und Rücklage plus eigene Rücklage 6 €/m²
Finanzierung80 % des Kaufpreises (97.600 €), 4,2 % Sollzins, 2 % Tilgung, Zins fest für 15 JahreStandard unserer Rechenbeispiele; Bundesbank-Durchschnitt über 10 Jahre Zinsbindung: 4,04 % effektiv (August 2026)
Eigenkapital38.515 € (Kaufpreisanteil plus alle Nebenkosten)fließt alternativ vollständig in den ETF
Miete+2 % pro Jahrin Höhe des Inflationsziels der EZB, innerhalb der Kappungsgrenze
Wertentwicklung+1,5 % pro Jahrbewusst unter der Inflation, weil das Gebäude altert; Szenarien von 0 bis 3 %
Verkaufnach 15 Jahren, 3,57 % Maklerprovisionnach Ablauf der Zehnjahresfrist steuerfrei (§ 23 EStG)
Steuer WohnungSingle, 3.000 € netto, Tarif 2026, AfA 2 % auf 75 % Gebäudeanteilwie auf allen Stadtseiten; Verluste mindern die Einkommensteuer
ETF6 % pro Jahr vor Kosten, 0,2 % laufende Kosten, thesaurierendunter dem MSCI-World-Mittel seit 2000 in Euro (6,67 % p. a.)
Steuer ETF26,375 % auf 70 % des Gewinns (18,46 % effektiv), Vorabpauschale jährlichBasiszins 3,20 % konstant, ohne Sparer-Pauschbetrag und Kirchensteuer
Gleicher Geldeinsatz: Jede Zuzahlung, die die Wohnung nach Steuern verlangt, fließt im selben Jahr auch in den ETF. Überschüsse der Wohnung werden im gleichen ETF angelegt und zählen zum Wohnungsvermögen. Jahr 1 entspricht exakt dem Rechenweg der Beispielobjekte. Rechnung jährlich, Kreditraten monatlich.

Rechenbeispiel: Wohnung in Offenbach gegen ETF

Die Beispielwohnung in Offenbach-Lauterborn kostet 122.000 Euro, mit 11,6 % Nebenkosten 136.115 Euro. Die Bank finanziert 97.600 Euro. Im ersten Jahr nimmt die Wohnung 6.900 Euro Kaltmiete ein. Davon gehen 1.590 Euro für nicht umlagefähige Kosten und Mietausfall ab, 4.061 Euro Zinsen und 1.990 Euro Tilgung. Weil Zinsen, Kosten und AfA den Gewinn aus der Vermietung ins Minus drücken, sinkt die Einkommensteuer um 261 Euro. Unterm Strich bleibt eine Zuzahlung von 40 Euro im Monat.

Mit steigender Miete wird die Zuzahlung jedes Jahr kleiner; ab Jahr 13 trägt sich die Wohnung nach Steuern selbst. Insgesamt schießt der Anleger über 15 Jahre 2.898 Euro zu. Nach 15 Jahren ist die Wohnung bei 1,5 % Wertentwicklung rund 152.500 Euro wert, die Restschuld beträgt noch 56.900 Euro. Nach Maklerprovision bleibt ein steuerfreier Erlös – die Zehnjahresfrist ist abgelaufen.

Der ETF wächst ohne Rückschläge mit 5,8 % pro Jahr nach Kosten – eine glatte Annahme, die echte Börsenjahre nicht abbildet. Er beginnt mit einem großen Vorsprung, weil bei der Wohnung sofort 14.115 Euro Nebenkosten verloren sind. Die Wohnung holt erst auf, wenn Tilgung und Wertsteigerung das Eigenkapital wieder aufgebaut haben, und überholt den ETF im Jahr 12 – kurz nachdem der Verkauf mit Ablauf der Zehnjahresfrist steuerfrei geworden ist.

Rechenbeispiel
Vermögen nach Verkauf und Steuern: Wohnung gegen ETF über 15 Jahre
Vermögen Wohnung und ETF nach Verkauf und Steuern, Jahr 0 bis 15
PunktWohnung Offenbach-Lauterborn (finanziert)ETF mit demselben Geld (6 % vor Kosten)eigenes Geld eingesetzt
Kauf20 Tsd. €39 Tsd. €39 Tsd. €
224 Tsd. €41 Tsd. €39 Tsd. €
328 Tsd. €43 Tsd. €39 Tsd. €
432 Tsd. €46 Tsd. €40 Tsd. €
536 Tsd. €48 Tsd. €40 Tsd. €
540 Tsd. €51 Tsd. €40 Tsd. €
743 Tsd. €54 Tsd. €41 Tsd. €
846 Tsd. €57 Tsd. €41 Tsd. €
949 Tsd. €60 Tsd. €41 Tsd. €
1052 Tsd. €63 Tsd. €41 Tsd. €
1055 Tsd. €66 Tsd. €41 Tsd. €
1268 Tsd. €69 Tsd. €41 Tsd. €
1373 Tsd. €73 Tsd. €41 Tsd. €
1479 Tsd. €76 Tsd. €41 Tsd. €
1585 Tsd. €80 Tsd. €41 Tsd. €
15 Jahre90 Tsd. €84 Tsd. €41 Tsd. €
Wert, wenn am Ende des jeweiligen Jahres verkauft würde: Wohnung nach 3,57 % Verkaufskosten, Restschuld und – bis Jahr 10 – Steuer auf den Veräußerungsgewinn; ETF nach Abgeltungsteuer. Gestrichelt: eigenes Geld insgesamt. Annahmen siehe Tabelle oben; keine Prognose.
Cashflow nach Steuern im Monat
−40 €
Jahr 1, wird mit steigender Miete kleiner
Hebel auf das Eigenkapital
3,2×
122.000 € Wohnung, 38.515 € eigenes Geld
Rendite Wohnung nach Steuern
5,4 %
interner Zinsfuß auf das eingesetzte Geld
Rendite ETF nach Steuern
4,9 %
5,8 % nach Kosten, vor Steuern
Ihre Wohnung, dieselbe Rechnung

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Im Investment-Check rechnen wir eine konkrete Wohnung gegen einen ETF mit demselben Geldeinsatz durch – mit Ihrer Finanzierung und Ihrem Steuersatz. Kostenlos und unverbindlich.

Steuern: AfA, Spekulationsfrist und Abgeltungsteuer

Bei der Wohnung zählen Mieteinnahmen zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung und werden mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Abziehen dürfen Sie Schuldzinsen, nicht umlagefähige Kosten und die Abschreibung: für Gebäude mit Fertigstellung ab 1925 und vor 2023 jährlich 2 %, für Neubauten ab 2023 3 % (§ 7 Abs. 4 EStG). Im Beispiel sind das 2.042 Euro AfA pro Jahr. Ein Verlust aus der Vermietung mindert die Steuer auf das Gehalt. Wie das im Detail funktioniert, zeigen die Ratgeber AfA berechnen und Steuern und AfA.

Der größte Steuervorteil kommt am Ende: Liegen zwischen Kauf- und Verkaufsvertrag mehr als zehn Jahre, ist der Gewinn im Privatvermögen steuerfrei (§ 23 EStG). Davor wird er mit dem persönlichen Satz besteuert, und die abgezogene AfA erhöht den Gewinn. Im Rechenbeispiel würde ein Verkauf nach zehn Jahren rund 7.700 Euro Steuer kosten, ein Jahr später nichts. Deshalb macht die Wohnungslinie in der Grafik zwischen Jahr 10 und 11 einen Sprung. Die Einzelheiten erklärt der Ratgeber Spekulationsfrist.

Beim ETF fällt auf Gewinne Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 % (§ 32d EStG, § 4 SolZG), unabhängig von der Haltedauer. Bei Aktienfonds bleiben 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung, § 20 InvStG), effektiv also 18,46 %. Thesaurierende Fonds lösen jedes Jahr eine Vorabpauschale aus: Wert zu Jahresbeginn mal 70 % des Basiszinses, höchstens der tatsächliche Wertzuwachs (§ 18 InvStG). Für 2026 beträgt der Basiszins 3,20 %, die Vorabpauschale also 2,24 % des Depotwerts. Sie wird beim Verkauf angerechnet und ist damit eine Steuervorauszahlung. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro (Paare 2.000 Euro) bleibt in unserer Rechnung bewusst unberücksichtigt, weil er oft schon durch Zinsen auf Tagesgeld belegt ist.

Steuern im Vergleich: vermietete Wohnung und Aktien-ETF im Privatvermögen
Vermietete WohnungAktien-ETF
Laufende ErträgeMieteinkünfte mit dem persönlichen Steuersatz (§ 21 EStG)Ausschüttungen bzw. Vorabpauschale mit Abgeltungsteuer 25 % plus Soli (§ 32d EStG)
Was mindert die Steuer?Schuldzinsen, nicht umlagefähige Kosten, AfA 2 % (Baujahr 1925–2022) bzw. 3 % (ab 2023) pro Jahr30 % Teilfreistellung bei Aktienfonds (§ 20 InvStG), Sparer-Pauschbetrag 1.000 € (Paare 2.000 €)
Verlustemit Gehalt und anderen Einkünften verrechenbarnur mit Kapitalerträgen verrechenbar
Thesaurierung–Vorabpauschale: Wert zu Jahresbeginn × 70 % des Basiszinses (2026: 2,24 %), höchstens der Wertzuwachs (§ 18 InvStG)
Verkaufnach mehr als zehn Jahren steuerfrei; vorher Gewinn mit persönlichem Satz, inklusive Rückrechnung der AfA (§ 23 EStG)Gewinn immer steuerpflichtig, unabhängig von der Haltedauer
Effektive Belastungabhängig vom Einkommen; im Beispiel Grenzsteuersatz rund 33,1 % (Single, 3.000 € netto, kein Soli)18,46 % auf den Gewinn ohne Kirchensteuer
Rechtsstand Oktober 2026. Soli 5,5 % auf die Abgeltungsteuer (§ 4 SolZG); mit Kirchensteuer liegt die Belastung etwas höher. Basiszins laut BMF-Schreiben vom 13.01.2026. Für die Spekulationsfrist ist das Datum der notariellen Verträge maßgeblich.

Wann die Wohnung vorne liegt und wann der ETF

Zwei Annahmen entscheiden fast alles: wie stark der Wert der Wohnung steigt und welche Rendite der ETF bringt. Die Tabelle zeigt den Vorsprung der Wohnung für verschiedene Kombinationen. Bei 1,5 % Wertentwicklung und 6 % ETF-Rendite liegt die Wohnung knapp vorn. Bleibt der Wohnungswert nominal gleich, liegt sie selbst gegen einen ETF mit nur 4 % Rendite hinten.

Zur Einordnung der ETF-Annahme: Der MSCI World, der Index hinter vielen weltweiten Aktien-ETFs, erzielte in Euro mit wiederangelegten Dividenden vom 29. Dezember 2000 bis 30. September 2026 im Schnitt 6,67 % pro Jahr, in den letzten zehn Jahren 12,69 % pro Jahr. Unsere 6 % vor Kosten liegen bewusst darunter, denn die letzten zehn Jahre waren außergewöhnlich stark, und dazwischen lagen Rückgänge von mehr als der Hälfte.

Zur Wertentwicklung der Wohnung: Laut Statistischem Bundesamt lagen die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland im 2. Quartal 2026 nur 0,6 % über dem Vorjahr; Eigentumswohnungen in den sieben größten Städten, darunter Frankfurt, waren 0,4 % billiger. Wertsteigerung ist also kein Automatismus. Hinzu kommt: Ein Gebäude altert, und ohne Investitionen in das Gemeinschaftseigentum hält eine Wohnung nicht einmal mit der Inflation Schritt.

Vorsprung der Wohnung nach 15 Jahren gegenüber dem ETF (Vermögen nach Steuern)
Wertentwicklung Wohnung p. a.Vermögen WohnungETF 4 % vor KostenETF 6 % vor KostenETF 8 % vor Kosten
0 %61.000 €−4.900 €−23.400 €−47.400 €
1 %79.900 €+14.000 €−4.500 €−28.400 €
1,5 %90.400 €+24.500 €+6.000 €−17.900 €
2 %101.700 €+35.700 €+17.300 €−6.700 €
3 %126.600 €+60.700 €+42.200 €+18.300 €
Plus = Wohnung liegt vorn, minus = ETF liegt vorn. Alle übrigen Annahmen wie im Rechenbeispiel. Zum Vergleich: Der MSCI World (Nettoindex in Euro) erzielte vom 29.12.2000 bis 30.09.2026 im Schnitt 6,67 % pro Jahr, in den zehn Jahren bis 30.09.2026 12,69 % pro Jahr – vergangene Renditen sind keine Prognose.

Was den Vergleich kippt

Neben Wertentwicklung und Börse gibt es Risiken, die nur die Wohnung trägt. Die Beispielwohnung hat eine ungedämmte Fassade; eine Sonderumlage von 8.000 Euro im fünften Jahr reicht, damit der ETF am Ende rund 6.900 Euro vorn liegt. Ähnlich wirken längerer Leerstand, ein Mietausfall durch einen zahlungsunfähigen Mieter oder Mieten, die langsamer steigen als angenommen.

Den stärksten Einfluss hat der Verkaufszeitpunkt. Nach acht Jahren liegt die Wohnung im Beispiel deutlich hinter dem ETF, weil Nebenkosten noch nicht wieder verdient sind und der Gewinn versteuert werden muss. Umgekehrt profitiert der Wohnungsanleger stark, wenn der Wert schneller steigt: Bei 3 % pro Jahr steht er nach 15 Jahren rund 42.200 Euro besser da. Das ist der Hebel – er wirkt in beide Richtungen. Bei 0 % Wertentwicklung fehlen ihm 23.400 Euro.

Was den Vergleich kippt: jeweils eine Annahme geändert
SzenarioWohnungETFVorsprung Wohnung
Basisannahmen90.400 €84.400 €+6.000 €
Wertentwicklung 0 % statt 1,5 % pro Jahr61.000 €84.400 €−23.400 €
Wertentwicklung 3 % statt 1,5 % pro Jahr126.600 €84.400 €+42.200 €
Sonderumlage 8.000 € im Jahr 5 (z. B. Fassadendämmung)90.400 €97.300 €−6.900 €
Mietausfall 6 % statt 2 % der Jahresmiete90.200 €88.600 €+1.600 €
Miete steigt nur 1 % statt 2 % pro Jahr90.200 €90.800 €−600 €
ETF 4 % statt 6 % pro Jahr vor Kosten90.400 €65.900 €+24.500 €
ETF 8 % statt 6 % pro Jahr vor Kosten90.400 €108.300 €−17.900 €
Verkauf schon nach 8 Jahren (innerhalb der Spekulationsfrist)48.900 €59.600 €−10.700 €
Vermögen nach Verkauf und Steuern am Ende der Haltedauer. Eine Sonderumlage oder ein höherer Mietausfall zahlt der Wohnungsanleger aus eigener Tasche; der ETF-Anleger legt denselben Betrag zusätzlich an. Die Sonderumlage ist vereinfacht steuerlich nicht angesetzt.

Rhein-Main: Was die Stadt-Rechenbeispiele zeigen

Dieselbe Rechnung lässt sich auf die Rechenbeispiele unserer Stadtseiten anwenden. Sie arbeiten mit dem amtlichen Durchschnittspreis je Quadratmeter des jeweiligen Gutachterausschusses und dem Mittelwert des Mietspiegels – also mit einer durchschnittlichen, nicht mit einer besonders günstigen Wohnung. Das Ergebnis ist eindeutig: Bei 1,5 % Wertentwicklung liegt in allen fünf Städten der ETF vorn. Gleichstand erreicht die Wohnung je nach Stadt erst bei 2,0 % bis 2,8 % Wertsteigerung pro Jahr.

Am teuersten ist der Gleichstand in Frankfurt, wo die Mietrendite zum Kaufpreis am niedrigsten ist und der Kredit am größten. In Mainz reicht etwa das Inflationsziel der EZB. Die Beispielwohnung in Offenbach braucht weniger, weil ihr Kaufpreis rund ein Fünftel unter dem amtlichen Durchschnitt liegt – mit offen benannten Gründen wie der ungedämmten Fassade. Genau das ist die Kernaussage: Nicht die Anlageform entscheidet, sondern ob Preis, Miete und Zustand zusammenpassen.

Wie hoch Preise und Mieten in Ihrer Stadt sind, zeigen die Seiten zu Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Offenbach sowie der Überblick Kapitalanlage Rhein-Main. Ob ein Angebot günstig ist, prüfen Sie am schnellsten mit dem Kaufpreisfaktor im Vergleich zu den amtlichen Ertragsfaktoren.

Stadt-Rechenbeispiele: Wohnung gegen ETF nach 15 Jahren
StadtKaufpreisEigenkapitalCashflow nach Steuern (Monat, Jahr 1)WohnungETFGleichstand bei Wertentwicklung
Frankfurt265.000 €83.661 €−359 €195.900 €261.000 €2,8 % p. a.
Wiesbaden178.000 €56.195 €−204 €131.600 €164.800 €2,5 % p. a.
Mainz165.000 €50.441 €−144 €122.000 €136.300 €2,0 % p. a.
Darmstadt193.000 €60.930 €−184 €142.700 €167.900 €2,2 % p. a.
Offenbach147.000 €46.408 €−154 €108.700 €132.100 €2,3 % p. a.
Rechenbeispiele der Stadtseiten: amtlicher Durchschnittspreis je m² der Gutachterausschüsse, Mietspiegel-Mittelwert, Standardfinanzierung (80 %, 4,2 %, 2 %), Wertentwicklung 1,5 % und ETF 6 % pro Jahr. Gleichstand = Wertentwicklung pro Jahr, ab der die Wohnung mit dem ETF gleichzieht.
Grafik
So stark muss der Wohnungswert pro Jahr steigen, damit die Wohnung mit dem ETF gleichzieht
  • Frankfurt (Stadt-Rechenbeispiel)2,8 %
  • Wiesbaden (Stadt-Rechenbeispiel)2,5 %
  • Mainz (Stadt-Rechenbeispiel)2,0 %
  • Darmstadt (Stadt-Rechenbeispiel)2,2 %
  • Offenbach (Stadt-Rechenbeispiel)2,3 %
  • Beispielwohnung Offenbach-Lauterborn1,2 %
Gleichstand nach 15 Jahren bei 6 % ETF-Rendite vor Kosten. Je günstiger der Einkauf im Verhältnis zur Miete, desto weniger Wertsteigerung braucht die Wohnung. Zum Vergleich: Das Inflationsziel der EZB liegt bei 2 %.

Hebel, Liquidität, Aufwand und Streuung

Rendite ist nur ein Teil der Entscheidung. Eine Wohnung verlangt Arbeit: Mieter finden, Nebenkosten abrechnen, mit der Eigentümergemeinschaft über Rücklage und Sanierung entscheiden, die Anlage V ausfüllen. Ein ETF-Sparplan läuft nach der Einrichtung fast von selbst. Dafür haben Sie bei der Wohnung Einfluss: Sie wählen Mieter aus, modernisieren und können die Miete im gesetzlichen Rahmen anpassen.

Der Hebel ist Stärke und Risiko zugleich. Im Beispiel steht einer Wohnung von 122.000 Euro nur 38.515 Euro eigenes Geld gegenüber. Steigt der Wert um 10 %, wächst Ihr Eigenkapital um 31,7 %; fällt er um 10 %, ist ein knappes Drittel weg – und der Kredit bleibt. Wer Eigentumswohnungen genauer prüfen will, findet im Ratgeber Eigentumswohnung als Kapitalanlage die wichtigsten Unterlagen von Hausgeld bis Protokoll.

Vermietete Wohnung und ETF jenseits der Rendite
KriteriumWohnung (finanziert)ETF-Sparplan
EinstiegNebenkosten plus Eigenkapital, im Beispiel 38.515 €mit kleinen Monatsraten oder Einmalbetrag möglich
HebelBankkredit: Eine Wertänderung von 1 % bewegt 3,2 % des Eigenkapitalsohne Kredit kein Hebel, aber auch kein Zinsrisiko
TransaktionskostenKauf 11,6 %, Verkauf rund 3,57 % MaklerOrdergebühr und Spread, meist Bruchteile eines Prozents
Laufende Kostennicht umlagefähiges Hausgeld, eigene Rücklage, im Beispiel 1.452 € im Jahrlaufende Fondskosten, im Beispiel 0,2 % pro Jahr
AufwandMietersuche, Nebenkostenabrechnung, Eigentümerversammlung, Anlage VDepot eröffnen, Sparplan einrichten, gelegentlich prüfen
LiquiditätVerkauf dauert Monate, nur als Ganzes, hohe Kosten bei frühem Verkaufbörsentäglich verkäuflich, auch in Teilen
Streuungein Gebäude, eine Lage, eine EigentümergemeinschaftMSCI World: rund 1.250 Unternehmen in 23 Industrieländern
Schwankungkein täglicher Preis; Wertverluste werden erst beim Verkauf sichtbarMSCI World in Euro bis −53,6 % (2001 bis 2009), 2022 −12,8 %
EinflussMieterauswahl, Modernisierung, Miethöhe im gesetzlichen Rahmenkeiner – dafür auch keine eigene Fehlentscheidung im Objekt
MSCI-Angaben: MSCI World Index (EUR), Nettoindex, Factsheet zum 30.09.2026; maximaler Rückgang vom 24.05.2001 bis 09.03.2009. Ein Index ist kein investierbares Produkt; ETFs bilden ihn mit Kosten und Abweichungen nach.
Moderne, helle Mehrfamilienhäuser mit klaren Kubaturen unter blauem Himmel mit leichten Wolken
Zwei Wege zum Vermögen: Eine Wohnung bündelt das Risiko in einem Haus und einer Lage, ein weltweiter ETF verteilt es auf über tausend Unternehmen.Foto: Mihai Neagu / Unsplash

Beides kombinieren: Reserve im ETF, Rendite mit der Wohnung

Die Frage muss kein Entweder-oder sein. Viele Anleger beginnen mit einem ETF-Sparplan, weil er mit kleinen Beträgen funktioniert, und bauen damit das Eigenkapital für die erste Wohnung auf. Nach dem Kauf übernimmt ein Teil des Depots die Rolle der Reserve für Sonderumlagen, Leerstand oder eine teurere Anschlussfinanzierung. Eine Reserve von mehreren Monatsmieten plus einem Betrag für das Gemeinschaftseigentum ist bei älteren Wohnanlagen kein Luxus.

Wichtig ist die Reihenfolge der Fragen: Erst prüfen, ob die Wohnung zum Marktpreis passt, ob die Rate auch mit höherem Zins tragbar ist und ob Sie zehn Jahre halten können. Erst dann lohnt die Frage, ob sie den ETF schlägt. Eine Wohnung, die schon an der ersten Frage scheitert, ist auch die schlechtere Kapitalanlage.

So entscheiden Sie zwischen Wohnung und ETF

Wie solche Rechnungen für reale Größenordnungen aussehen, zeigen unsere Beispielobjekte mit vollständigem Rechenweg. Eigene Werte können Sie im Renditerechner eintragen. Für ein konkretes Angebot nutzen Sie den Investment-Check: Wir rechnen die Wohnung mit Ihrer Finanzierung gegen einen ETF mit demselben Geldeinsatz.

  1. Schritt 1: Zeithorizont klären: Können Sie sicher mehr als zehn Jahre halten? Wenn nicht, spricht fast alles für den ETF.
  2. Schritt 2: Kaufpreis gegen den amtlichen Wert und den Ertragsfaktor der Stadt prüfen, nicht gegen andere Inserate
  3. Schritt 3: Cashflow nach Steuern mit realistischen Kosten und Mietausfall berechnen, dazu einen Stresstest mit 2 Prozentpunkten mehr Zins
  4. Schritt 4: Wertsteigerung ermitteln, die für den Gleichstand mit dem ETF nötig wäre, und ehrlich einordnen
  5. Schritt 5: Gemeinschaftseigentum, Rücklage und geplante Maßnahmen prüfen: Wie wahrscheinlich ist eine Sonderumlage?
  6. Schritt 6: Reserve festlegen und getrennt halten – zum Beispiel in Tagesgeld oder einem ETF

Weiterlesen: Renditerechner · Beispielobjekte · Investment-Check starten

Häufige Fragen

Was ist besser: Immobilie oder ETF?+

Das hängt vor allem vom Einkaufspreis, der Wertentwicklung und der Haltedauer ab. In unserem Rechenbeispiel liegt eine günstig gekaufte, finanzierte Wohnung in Offenbach nach 15 Jahren knapp vor einem ETF mit demselben Geldeinsatz. Mit den amtlichen Durchschnittspreisen in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Offenbach liegt dagegen der ETF vorn, solange die Wohnung nur um 1,5 % pro Jahr an Wert gewinnt.

Wie vergleicht man eine Immobilie fair mit einem ETF?+

Mit gleichem Geldeinsatz: Das Eigenkapital der Wohnung einschließlich Kaufnebenkosten fließt alternativ in den ETF, und jede monatliche Zuzahlung für die Wohnung wird auch in den ETF eingezahlt. Verglichen wird das Vermögen nach Verkauf, Kosten und Steuern. Mietrendite und Aktienrendite direkt nebeneinanderzustellen, ignoriert den Kredit.

Welche Rendite kann man mit einem ETF erwarten?+

Eine sichere Rendite gibt es nicht. Der MSCI World erzielte in Euro mit wiederangelegten Dividenden vom 29.12.2000 bis 30.09.2026 im Schnitt 6,67 % pro Jahr, in den letzten zehn Jahren 12,69 %. Zwischen 2001 und 2009 fiel er zeitweise um 53,6 %. Wir rechnen vorsichtig mit 6 % vor Kosten und zeigen Szenarien mit 4 und 8 %.

Wie werden ETF-Gewinne versteuert?+

Mit Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %. Bei Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei, effektiv sind es also 18,46 % ohne Kirchensteuer. Thesaurierende ETFs lösen jährlich eine Vorabpauschale aus, 2026 auf Basis eines Basiszinses von 3,20 %. Kapitalerträge bis 1.000 Euro im Jahr (Paare 2.000 Euro) bleiben über den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei. Anders als bei der Immobilie ist der Gewinn auch nach langer Haltedauer steuerpflichtig.

Warum kann eine Wohnung trotz niedrigerer Rendite mehr bringen als ein ETF?+

Wegen des Hebels: Im Beispiel kaufen 38.515 Euro Eigenkapital eine Wohnung im Wert von 122.000 Euro. Jede Wertsteigerung wirkt auf den ganzen Kaufpreis. Dazu kommen absetzbare Verluste in den ersten Jahren und der steuerfreie Verkauf nach zehn Jahren. Der Hebel wirkt aber auch bei sinkenden Preisen – dann verliert die Wohnung deutlich gegen den ETF.

Ist der Verkauf einer vermieteten Wohnung steuerfrei?+

Ja, wenn zwischen dem notariellen Kaufvertrag und dem Verkaufsvertrag mehr als zehn Jahre liegen und die Wohnung im Privatvermögen gehalten wird. Bei einem früheren Verkauf wird der Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz besteuert, und die abgezogene AfA erhöht ihn. Bei ETFs gibt es keine solche Frist.

Wie viel Eigenkapital braucht eine Kapitalanlage-Wohnung im Vergleich zum ETF?+

Viele Banken erwarten, dass mindestens die Kaufnebenkosten aus eigenem Geld kommen; in unseren Beispielen sind es zusätzlich 20 % des Kaufpreises. Für die Wohnung in Offenbach sind das 38.515 Euro, für das Frankfurter Rechenbeispiel 83.661 Euro. Ein ETF-Sparplan funktioniert dagegen schon mit kleinen Monatsraten.

Kann ich Immobilie und ETF kombinieren?+

Ja, und das ist oft sinnvoll. Ein ETF-Sparplan eignet sich, um Eigenkapital aufzubauen und nach dem Kauf eine Reserve für Sonderumlagen, Leerstand oder steigende Zinsen vorzuhalten. Die Wohnung sollte erst gekauft werden, wenn Preis, Cashflow und Haltedauer passen.

Passende Ratgeber

Quellen und Vertiefung

Für die fachliche Einordnung wurden insbesondere folgende Primär- und Verbraucherquellen berücksichtigt:

Nächster Schritt

Passt eine Kapitalanlage-Immobilie zu Ihrem Plan?

Der kurze Investment-Check strukturiert Ziele, Zeithorizont, Eigenkapital und Region. Am Ende können Sie die Zusammenfassung über Ihr eigenes E-Mail-Programm anfragen.

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